Gastartikel von Oliver Heuler: Wie Sie Ihre Mitspieler beeindrucken, ohne mehr zu trainieren 28. Februar 2017 – Posted in: Golfmarkt, Golftraining Berlin

Mal ehrlich: Ein gelungener Abschlag an einem menschenleeren Loch ist nett; für einen 250-Meter-Draw vor der vollen Clubhaus-Terasse würden die meisten jedoch ihre Großmutter verkaufen. Das Dumme ist nur: Für den Monster-Drive unter Druck reicht die Großmutter nicht. Da sind Blut, Schweiß und Training gefordert — auf der Range wie in der Mucki-Bude. Und nicht nur Samstags bei schönem Wetter, sondern dreimal die Woche. Über Jahre. Ok, so eitel sind Sie nicht? Was wäre, wenn ich einen Weg wüsste, wie man die Mitspieler noch mehr beeindrucken kann — und das ohne Training?

Oliver Heuler – www.golfkurse.com

Jetzt habe ich Ihre Aufmerksamkeit. Ok, alles was Sie brauchen, ist eine Portion Selbstdisziplin. Und Sie müssen etwas umdenken.  Aus Sicht eines Spielers, der in seinem Leben Runden Par oder besser gespielt hat, kann ich Ihnen versichern: Tolle Schläge sind nicht das Beeindruckendste auf dem Golfplatz. Und Frauen verdrehen Sie damit nicht den Kopf. Die finden es sogar abtörnend, wenn sie mit Ihrer Länge prahlen. Auch beim Golf. Und bei Männern erzeugen Ihre Granaten eher Neid und Missgunst als Bewunderung. Also: Was ist der Trick?

Sie müssen Ihre schlechten Schläge ertragen wie ein Mann: ohne zu jammern. Und vor dem Schlag müssen Sie auf Entschuldigungen verzichten. Versuchen Sie auch nicht, Ihre Schlagergebnisse durch Kommentare zu verbessern. Beispiele:

1. Sie verkneifen sich am ersten Abschlag die Bemerkung, dass Sie seit zwei Monaten das erste Mal einen Schläger in der Hand haben oder dass Sie letzte Woche noch an der Bandscheibe operiert wurden. Und wenn Sie gestern der letzte waren, der aus dem Clubhaus getragen wurde, ist auch das keine Mitteilung wert. Sie könnten auch gleich sagen: »Ich möchte Sie alle furchtbar gerne beeindrucken, aber ich habe Angst, dass meine Schläge nicht ausreichen und deshalb möchte ich mit meinem Hinweis Rabatt herausschlagen.«

2. Wenn der erste Schlag dann missglückt ist, verzichten Sie auf Bermerkungen wie »So ein Schlag ist mir ja wirklich noch nie passiert« oder »gerade auf der Range flogen die Drives noch alle wie am Schnürchen« oder »der sollte auch mindestens 300 Meter weit fliegen«.
Jeder weiß, dass Sie sogar noch schlechtere Schläge machen können. Niemanden interessieren ihre Erfolge auf der Range und auch die Bekanntgabe, dass Sie die genaue Ursache Ihres Fehlschlages kennen, wird Ihnen nicht die Anerekennung einbringen, die Sie sich unterbewusst erhoffen. Der kürzestes Witz im Golf heißt nämlich schon lange nicht mehr »ich kann’s«, sondern »ich weiß, was ich falsch mache«.

3. Ihnen gelingt aus dem Rough ein Schlag aufs Grün in die Nähe der Fahne. Verzichten Sie jetzt auf die Beschreibung, wie tief der Ball im Gestrüpp lag oder dass da auch noch ein Divot war. Auch die Angabe, dass es 170 Meter gegen den Wind waren, stellt sie nicht in ein besseres Licht, sondern jeder hört, worum es Ihnen eigentlich geht: »Bitte bewundert mich für meine Heldenleistungen.«

4. Sie erzählen auch nach einer guten Runde niemandem von Ihrem Score oder Ihren Jahrhundertschlägen, noch nicht mal auf Nachfrage, sondern nur, wenn man sie wiederholt darum bittet. Auf die Frage, was Sie gespielt haben, antworten Sie einfach mit Ihrem Score: »90«. Schilderungen jedes einzelnen Schlages erwartet niemand. Ebensowenig wie gut Sie nach sieben Löchern lagen oder was Sie heute eigentlich hätten spielen können, wenn nicht dies oder jenes passiert wäre.

Ich glaube jetzt ist deutlich geworden, was ich meine. Mit so einem Menschen haben Sie wahrscheinlich noch nicht gespielt. Ich kann Ihnen aber versichern: Das ist sehr angenehm. Am Anfang sind manche Mitspieler irritiert, wenn ein Golfer einen schlechten Schlag macht und seinen Schläger scheinbar ungerührt und kommentarlos in die Tasche steckt, so als wäre nichts gewesen. Aber es ist nichts gewesen. Schlechte Schläge sind beim Golf der Normalfall. Sich darüber zu echauffieren, als sei gerade etwas Ungeheuerliches passiert, ist schlicht lächerlich.

Am Anfang müssen Sie diese Gelassenheit natürlich spielen, denn innerlich sind Sie es noch nicht. Aber das kommt. Igrendwann wird Ihnen das Schönreden Ihrer Schläge so fremd vorkommen, dass Sie es sich nicht mehr anders vorstellen können. Und wundern Sie sich nicht, wenn die Cracks aus Ihrem Club auf einmal lieber mit Ihnen spielen als mit dem Clubmeister.

Und noch mal zu den Frauen: Die schätzen es auch, wenn Sie deren Bälle nicht permanent kommentieren. Die Dame von Welt erwartet nicht, für jeden Ballkontakt gelobt zu werden. Auch Aufmunterungen sind eine gefährliche Sache, wenn sie nicht genau im richtigen Moment mit genau den richtigen Worten kommen. Das ist allerdings viel schwieriger als ein 250-Meter-Draw. Freuen Sie sich einfach mit, wenn Ihre Mitspielerin sich sichtlich über ihren Schlag freut.

Die Zahl der hilfreichen Worte zur Mitspielerin ist klein, die zu ihrem Ball ist null. Es gibt nichts, was Sie zu Ihrem Ball sagen könnten, was Ihr Ansehen nur um ein My erhöhen könnte. Rufe wie »beiß, sitz, komm runter, flieg« oder Ähnliches drücken nur Ihre Verzweiflung aus und zeigen, dass Sie es noch nicht geschafft haben, souverän mit Ihren Schlagresultaten umzugehen. Sie leben und sterben mit Ihren Resultaten wie ein Kleinkind. Wenn Sie sich das einfach verkneifen, kann ich Ihnen versprechen, dass sich weder Ihre Mitspieler beklagen werden, noch Ihr Ball.